An der Wand neben meinem Schreibtisch hängt seit über 50 Jahren ein Foto von Fjodor Michailowitsch Dostojevski. Seine Bücher, seine Theologie, seine Menschensicht haben mich von Jugend an geprägt. Die „Großinquisitor-Legende“ hat mein Verständnis von Freiheit und Sicherheit wesentlich beeinflusst, „Schuld und Sühne“ hat mein Verständnis von Kriminalität und Strafe geprägt und mein Jesus-Bild ist auf dem geistigen Boden der „Die Brüder Karamasow“ gewachsen. Mein Russlandbild und meine Emotionen gegenüber Russland und den Russen sind Ergebnis des Einflusses den Dostojevski auf mich hatte.
Dostojevski hat mich immun gemacht gegen alle Versuche, zum Beispiel der amerikanischen Filmindustrie, in Russen, Arabern oder Muslimen Feinde zu sehen. Ich habe keine Feinde. Ich bin kriegs-untauglich. Das ist meine persönliche Antwort auf die Erlebnisse meiner elsässischen Vorfahren. Immer war das Elsass geographisch am selben Ort. Immer kam da einer um meine Vorfahren Zwangs-zu-beglücken um sie alsdann zu beherrschen.
„Ich wurde 4 mal liberiert oder befreit, aber nie gefragt“ kommentierte meine Großmutter ihr Leben in Zeiten zweier Weltkriege und des mehrfachen Wechsel der „Herren im Land“. Diese Sicht der Dinge war und ist mir eine Lehre.
